Mithin weist die Abkehr vom Personalstil, wie sie auf den oberflächlichen ersten Blick bei Jan Deckers zu beobachten ist, nicht etwa auf eine Leerstelle im eigenen Stilvermögen hin, sondern erweist vielmehr die Hinwendung zum Objekt, zu objektimmanentem Stil, zur Eigenheit allen Seins – und erst in der Zusammenschau seiner Werke, im längeren Zuhören und Hinsehen, offenbart sich dann umso schlagender ein wiederum doppelter künstlerischer Griff: zum einen im alle Werkstücke verbindenden, sehr persönlichen Abschauen und Ablauschen der kreativen Eigenheit der Objekte, zum anderen im alle Werkstücke gleichermaßen prägenden schöpferischen Stil.
Die Kunstauffassung, die dahinter steht, ist eine multipolare. Nichts, sagen die Werkstücke von Jan Deckers, existiert nur auf eine einzige Weise, sondern alles existiert einerseits aus sich selbst heraus und andererseits im Auge und Ohr des Hörenden und Betrachters, was fürs originäre Objekt wie für das künstlerische Werkstück gleichermaßen gilt. Erst dies alles zusammen, im künstlerisch-rezeptiven Dialog sich noch einmal vervielfältigend, prägt die Handschrift von Jan Deckers und ist zugleich ein Entwurf der Kunst des 21. Jahrhunderts. Anders gesagt sind die Bilder von Jan Deckers, eben weil er den Werkstücken so tiefe innere Ge­stalt zu geben vermag, wie sichtbar gewordene Musik – und klingt seine Musik wie gemalt: mal in weichen, feinen, harmonischen Strichen, mal wild und stürmisch, mal beherrscht, mal hingegeben, mal aufbrausend, mal bestimmend, mal zweifelnd, immer aber eigen, immer seins.


Alexander Hans Gusovius, Literat und Philosoph

Jan Deckers

Jan Deckers kenne ich nun schon ein paar Jahre, und was mich an ihm immer von neuem fasziniert, sind seine enorme Auffassungsgabe, die mensch­lich weit ausgespannte Verarbeitungstiefe und sein ungemein sicherer und schneller künstlerischer Zugriff, in der Musik wie in der Malerei: dazu eine in künstlerischen Kreisen dünn gesäte und umso angenehmere hohe Zuverlässigkeit.

Doppelbegabungen wie die von Jan Deckers sind selten, aber es gibt sie. Beispiele: Goethe in herausragender Weise, Tomi Ungerer als Phänomen der Moderne. Bildnerisch-sprachliche Doppelung trifft man im übrigen häufiger an als bildnerisch-musikalische – tatsächlich ist die Überlagerung szenischer Räume sprachlich-optisch auch leichter zu denken als optisch-musikalisch. Daß genau dies bei Jan Deckers aber geschieht, daß die optischen und musikalischen Räume sich bei ihm überlagern bzw. eins sind, verweist übers Phänomen hinaus auf die innere Anlage seiner Kunst, in der sich auch eine bestimmte Kunstauffassung widerspiegelt.

Betrachtet man seine Bilder und hört seine Musik, fällt schnell auf, daß er dem jeweiligen Werk eigene Gestalt gibt, ureigene Gestalt. Mancher mag darin die Abwesenheit eines ausgeprägt persönlichen Stils erkennen, zumal die Künstler der jüngeren Vergangenheit (von vor ca. 150 Jahren bis heute) ganz besondere Mühe auf ihren höchstpersönlichen Ausdruck verwandt haben, zum Zeichen sofortiger Wiedererkennbarkeit und künstlerischer Zuspitzung, mündend in ein Styling, das den Unterschied zwischen künstlerischer und werbewirtschaftlicher Arbeit entscheidend verwischt hat.


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